Grüner Star (Glaukom)

Der grüne Star

Beim Glaukom (auch als Grüner Star bekannt) handelt es sich um eine Erkrankung des Sehnerven, bei der es zu einem Verlust von Nervenfasern kommt. Da der Sehnerv die Verbindung zwischen dem Auge und dem Gehirn darstellt, kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einer Einschränkung der Sehfunktion.

Hierbei kommt es zunächst zu einer Schädigung des peripheren Sehens (peripheres Gesichtsfeld), die von den Patienten häufig erst sehr spät wahrgenommen wird. Bei einer sehr fortgeschrittenen Erkrankung kann es auch zu einer starken Beeinträchtigung der Sehschärfe bis hin zur Erblindung kommen. In der Regel kann bei den meisten Glaukompatienten bei rechtzeitigem Erkennen der Erkrankung und entsprechender Therapie die Sehfunktion erhalten werden.

Aus diesem Grund sollte jeder Mensch ab dem 40. Lebensjahr im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ein Glaukom ausschließen lassen. Liegen bereits bekannte Risikofaktoren für die Glaukomerkrankung vor, sollte eine Kontrolle beim Augenarzt zu jedem früheren Zeitpunkt durchgeführt werden. Als Risikofaktoren bezeichnet man Faktoren, die die Entstehung eines Glaukoms begünstigen.

Glaukom-Formen

Primär chronisches Offenwinkelglaukom (PCOWG)

Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom liegt eine Störung des Kammerwasser-Abflusses vor. Im Auge wird kontinuierlich Flüssigkeit gebildet (Kammerwasser), das über das sogenannte Trabekelmaschenwerk und den dahinterliegenden Schlemm`schen Kanal in die Venen abgeleitet wird und aus dem Auge abfließt. Hier entsteht ein Fließ-Gleichgewicht, so dass idealerweise ein gleichbleibendes Augeninnendruckniveau von etwa 10 – 21 mmHg erreicht wird. Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom ist der Abfluss im Trabekelmaschenwerk gestört. Man kann sich das Trabekelmaschenwerk wie eine Kaffee-Filtertüte vorstellen, über die die Flüssigkeit abfließen muss.

Erkrankung der Sehnerven

Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom sind die Porengröße des Trabekelmaschenwerkes zu klein, was den Abflusswiderstand erhöht. Es fließt weniger Flüssigkeit aus dem Auge ab und der Augeninnendruck steigt auf Werte zwischen 25 und 40 mmHg an.

Ein Augeninnendruck in dieser Höhe ist jedoch weder schmerzhaft, noch bewirkt er eine akute Sehverschlechterung, weshalb er lange unbemerkt bleibt. Erst wenn durch einen jahrelang erhöhten Augeninnendruck viele Nervenfasern abgestorben sind, kommt es zu Gesichtsfeldausfällen.

Okuläre Hypertension

Bei der okulären Hypertension besteht ein erhöhter Augeninnendruck über 21 mmHg, ohne dass eine Schädigung des Sehnervens eingetreten ist. Das heißt, das Auge ist gegen den Augeninnendruck widerstandsfähiger als andere Augen. Allein ein erhöhter Augeninnendruck führt daher nicht zwingend zu einer Glaukomerkrankung. Man weiß jedoch, dass ein Drittel der Patienten, die einen Augeninnendruck über 25 mmHg aufweisen, innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom entwickeln. Außerdem steigt mit erhöhtem Augeninnendruck auch das Risiko für Gefäßverschlüsse am Augenhintergrund. Daher handelt es sich bei Patienten mit einer okulären Hypertension um Hochrisikopatienten, die engmaschig kontrolliert werden sollten, damit der Augenarzt über die Notwenigkeit bzw. die Dosierung einer drucksenkenden Behandlung urteilen kann.

Normaldruckglaukom oder Niederdruckglaukom

Beim Normaldruckglaukom besteht ein Augeninnendruck, der sich immer im Normbereich befindet. Das heißt, die Patienten haben nie höhere Augeninnendruckwerte als 21 mmHg, haben aber trotzdem einen Glaukomschaden am Sehnerven entwickelt. Das Auge ist also für den Augeninnendruck empfindlicher als andere Augen. Diese erhöhte Empfindlichkeit kann durch das Vorliegen von anderen Risikofaktoren, wie z.B. Durchblutungsstörungen oder hohe Kurzsichtigkeit verursacht werden.

Das Normaldruckglaukom kann demnach nicht durch eine Messung des Augeninnendrucks erkannt werden, sondern nur durch eine Beurteilung des Sehnervs oder - in späteren Krankheitsstadien - auch der Sehfunktion.

Winkelblockglaukom (akuter Glaukomanfall)

Beim Winkelblockglaukom handelt es sich meist um ein sehr akutes Geschehen, bei dem es innerhalb kurzer Zeit zu einer kompletten Verlegung des Abflussweges des Kammerwassers kommt. Im Gegensatz zu anderen Glaukom-Formen wird ein Glaukomanfall von den Patienten als hochdramatisch und sehr schmerzhafte empfunden. Durch die akute Abflussstörung kommt es zum Augeninnendruckanstieg auf 60 mmHg oder höher. Die Patienten klagen über eine akute Sehverschlechterung, Schmerzen und Übelkeit bis hin zum Erbrechen.
Vorboten eines starken Augeninnendruckanstieges können bunte Ringe um Lichtquellen sein. Diese Halos entstehen, weil der hohe Augeninnendruck die Funktion der Endothelzellen auf der Hornhautrückfläche beeinträchtigt, wodurch die Hornhaut aufquillt und einfallendes Licht vermehrt streut.

Ein Glaukomanfall ist eine augenärztliche Notfallsituation. Durch Augentropfen und Tabletten bzw. Infusionen muss zunächst der Augeninnendruck schnellstmöglich gesenkt werden, da andernfalls innerhalb weniger Stunden oder Tage ein unumkehrbarer Sehnervenschaden droht.

Im Anschluss daran wird durch eine Laserbehandlung (YAG-Iridotomie) oder eine kleine Operation (chirurgische Iridektomie) erreicht, dass die Flüssigkeit im Auge richtig zirkulieren und entsprechend abfließen kann. Ein akuter Glaukomanfall tritt meist nur einseitig auf. Da aber das andere Auge ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung des gleichen Ereignisses hat, sollte auch hier zeitnah mittels YAG-Iridotomie oder chirurgischer Iridektomie für eine verbesserte Kammerwasserzirkulation und einen sicheren Kammerwasserabfluss gesorgt werden.

Risikofaktoren für die Entstehung eines akuten Winkelblockglaukoms sind ein höheres Lebensalter, eine starke Weitsichtigkeit (Plus-Dioptrien), ein kurzes Auge mit flacher Vorderkammer, Aufregung und Medikamente, die zu einer Erweiterung der Pupille führen.

Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom)

Das Pseudoexfoliationsglaukom betrifft bevorzugt ältere Menschen. Dabei wird im Auge eine staubähnliche Substanz produziert, die sich auf der Linsenvorderfläche und in den Abflusswegen des Kammerwassers ablagert. Durch die Verstopfung des Trabekelwerks steigt der Augeninnendruck an.

 

 

Meist ist das Pseudoexfoliationsglaukom an einem Auge stärker ausgeprägt als an dem anderen. Es sind nicht selten Druckwerte von 35 bis 45 mmHg zu beobachten. Diese Druckwerte verursachen beim Patienten weder eine akute Sehverschlechterung, noch Schmerzen und werden daher nicht selbst bemerkt. Die Behandlung des Pseudoexfoliationsglaukoms entspricht der des primär chronischen Offenwinkelglaukoms.

Pigmentdispersionsglaukom

Vom Pigmentdispersionsglaukom sind häufig jüngere Männer betroffen. Bei dieser Erkrankung wird das Pigment von der Rückfläche der Iris durch den Halteapparat der Linse abgescheuert. Die kleinen Pigment-Körnchen verstopfen dann das Trabekelmaschenwerk.

Dadurch kommt es zur Augeninnendrucksteigerung. Oft treten nach starker körperlicher Belastung oder sportlicher Betätigung akute Augeninnendrucksteigerungen auf, die so hoch sind, dass aufgrund einer zarten Quellung der Hornhaut bunte Ringe (sogenannte Halos) um Lichtquellen wahrgenommen werden.

Neovaskularisationsglaukom

Bei allen Erkrankungen, bei denen es zu einer verminderten Durchblutung oder zu einem Sauerstoffmangel des Auges kommt, werden im Auge neue Blutgefäße gebildet.

Diese Blutgefäße entstehen auch an besonders ungünstigen Stellen, wie beispielsweise am Pupillenrand der Regenbogenhaut (Iris). Von hier aus können sie in den Kammerwinkel wachsen, sich vor das Trabekelmaschenwerk legen und somit zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks führen.

Glaukomdiagnostik

Da es sich beim Glaukom um eine Erkrankung des Sehnerven handelt, muss der Sehnerv untersucht werden, um die Diagnose Glaukom stellen zu können. Der Sehnervenkopf (Papille) zeigt bei der Glaukomerkrankung Veränderungen, die für diese Erkrankung typisch sind. So kommt es zu einer Ausdünnung der Nervenfasern, die in der Netzhaut und im Bereich des Sehnervenkopfes erkannt werden können.

Dank modernster Medizintechnik (HRT, OCT) können diese Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien der Erkrankung erkannt werden, weit bevor das Auge funktionelle Schäden aufweist. Voraussetzung ist aber natürlich der Gang zum Augenarzt, damit diese Vorsorgeuntersuchungen auch durchgeführt werden können.

Zusätzlich sollten bei einem Glaukomverdacht alle Risikofaktoren, insbesondere der Augeninnendruck und die Hornhautdicke bestimmt werden. Um festzustellen, ob im Rahmen der Glaukomerkrankung schon eine Störung der Funktion aufgetreten ist, sollte eine Gesichtsfeldprüfung erfolgen.

 

 

Morphologische Diagnostik

Biomikroskopie

Der Augenarzt kann durch das Untersuchungsmikroskop (Spaltlampe) den Augenhintergrund, insbesondere den Sehnervenkopf und die Nervenfaserschicht beurteilen. Dies ist grundsätzlich bei den meisten Patienten auch ohne Pupillenerweiterung möglich. Da der Einblick ins Auge und die detaillierte Beurteilung des Sehnervs bei großer Pupille jedoch deutlich besser möglich ist, empfiehlt sich die Gabe pupillenerweiternder Augentropfen etwa 20 min vor der Untersuchung.

Heidelberg Retinatomograph (HRT)

Der HRT ist ein Laserscanner, der die Oberflächenkonfiguration des Sehnervenkopfes im hundertstel Millimeterbereich dreidimensional darstellen kann. In dieser dreidimensionalen Analyse sind meist auch sehr frühe Veränderungen am Sehnerv erkennbar. Besonders geeignet ist die HRT-Untersuchung zur Verlaufsbeurteilung.

Durch meist jährlich aufeinanderfolgende HRT-Untersuchungen können bereits feinste Veränderungen erkannt werden, die bei normaler klinischer Untersuchung an der Spaltlampe (Biomikroskopie) noch nicht auffallen. Die Vermessung erfolgt berührungslos, ist völlig schmerzfrei und dauert nur wenige Sekunden. Eine Pupillenerweiterung ist nicht notwendig. Ein Risiko für das Auge besteht dabei nicht.

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die Optische Kohärenztomographie kann die unterschiedlichen Netzhautschichten hoch auflösend darstellen. Dadurch kann auch die vom Glaukom betroffene Nervenfaserschicht präzise ausgemessen werden. Mit diesem Verfahren können insbesondere Nervenfaserschäden auffallen, die wegweisend für eine Frühdiagnostik des Glaukoms sind.

Die OCT-Untersuchung erfolgt- ebenso wie die HRT-Untersuchung- berührungslos, ist völlig schmerzfrei und dauert nur wenige Sekunden. In manchen Fällen ist allerdings eine Pupillenerweiterung notwendig. Ein Risiko für das Auge besteht nicht.

 

 

Bestimmung von Risikofaktoren

Augeninnendruck

Ein zu hoher Augeninnendruck ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms. Es gibt keinen absoluten Wert, bei dem man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass ein Glaukomschaden entsteht. Man geht vielmehr davon aus, dass jedes Auge einen bestimmten, individuellen Augeninnendruck verträgt.

Der Augenarzt legt den entsprechenden Druckbereich fest, bei dem er davon ausgeht, dass kein weiterer Schaden entsteht. Hier spricht man auch vom sogenannten Zieldruck.

Die genauste Methode zur Messung des Augeninnendruckes ist die Applanationstonometrie nach Goldmann. Dabei berührt ein kleiner Messkolben die vorher mit einem gelben Augentropfen betäubte Hornhaut. Der Gegendruck des Kolbens, der für eine vordefinierte Berührungsfläche notwendig ist, wird in den Augendruck umgerechnet. Die Einheit des Augendrucks wird in „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg) angegeben.

Etwas weniger präzise, dafür aber schnell und berührungslos, ist die Messung mit einem Luftstoß, dessen verformende Wirkung auf die Hornhaut mit Licht vermessen und in den Augendruck umgerechnet wird. Der Augeninnendruck ist im Tagesverlauf nicht konstant und unterliegt individuellen Schwankungen. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, den Augeninnendruck über 24 Stunden in regelmäßigen Abständen zu messen.

Hornhautdicke

Eine dünne Hornhaut ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms. Sie kann in kürzester Zeit berührungslos gemessen werden (Pachymetrie). Ferner beeinflusst die Hornhautdicke die Augendruckmessung: bei dickerer Hornhaut wird der Augendruck falsch zu hoch, bei dünnerer Hornhaut der Druck falsch zu niedrig gemessen.

 

 

Alter

Das Glaukom kommt gehäuft bei älteren Menschen vor. Es gibt aber auch Glaukomformen bei Kindern oder jungen Erwachsenen.

Vererbung

Menschen mit direkten Verwandten, die an einem Glaukom erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, selbst an einem Glaukom zu erkranken.

Durchblutung

Neben einem erhöhten Augeninnendruck kann auch eine schlechte Durchblutung des Sehnervs zu einem Glaukom führen. Sowohl zu niedriger als auch zu hoher Blutdruck können die Durchblutung beeinflussen. Migräne und Gefäßkrämpfe können Hinweise auf Durchblutungsstörungen sein.

Kurzsichtigkeit

Eine hohe Kurzsichtigkeit (ab -5 Dioptrien) ist ein Risikofaktor für eine Glaukomerkrankung. Die Ursache für den Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Glaukom liegt in der Instabilität der Augenhüllle, die damit zur Schädigung des Sehnerven beiträgt.

Schlafapnoesyndrom

Bei starkem Schnarchen, insbesondere zwischenzeitlichem Aussetzen der Atmung, kommt es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Sehnerven. Dies begünstigt auch die Entstehung eines Glaukoms.

Ethnische Herkunft

Es ist bekannt, dass vor allem Schwarzafrikaner ein erhöhtes Risiko für eine Glaukomerkrankung haben.

Funktionsdiagnostik

Standard-Gesichtsfeldmessung (Weiß-Weiß-Perimetrie)

Bei der Weiß-Weiß-Perimetrie werden wechselnd helle Lichtpunkte nacheinander auf unterschiedliche Stellen einer Halbkugel projiziert.

Sobald der Patient einen dieser Lichtpunkt wahrnimmt, drückt er einen Knopf auf dem Schalter in seiner Hand. Jeder Lichtpunkt entspricht einer bestimmten Stelle auf der Netzhaut des Patienten. So kann untersucht werden, ob bereits funktionelle Schäden z.B. im Rahmen einer Glaukomerkrankung aufgetreten sind. Bei dieser Untersuchung wird jedes Auge einzeln geprüft. Wichtig ist dabei, dass der Patient während der Untersuchung nur geradeaus auf einen Fixierpunkt in der Mitte der Halbkugel schaut und den kleinen Lichtpunkten mit dem Auge nicht folgt.

Frequenz-Verdopplungs-Perimetrie

Bei der Frequenz-Verdopplungs-Perimetrie handelt es sich um einen Funktionstest, der in der Regel früher anschlägt als die Weiß-Weiß-Perimetrie. Statt eines Lichtpunktes wird hier ein Flimmerstreifenmuster als Reiz dargeboten.

Der Ablauf entspricht ansonsten dem der Weiß-Weiß-Perimetrie.

Blau-Gelb-Perimetrie

Bei der Blau-Gelb-Perimetrie wird ein wechselnd heller, blauer Punkt auf eine gelb ausgeleuchtete Hohlkugel projiziert. Der übrige Untersuchungsablauf entspricht dem der Weiß-Weiß-Perimetrie.

Sie ist vor allem für jüngere Patienten und solche, bei denen keine Linsentrübung vorliegt, geeignet. Die Blau-Gelb-Perimetrie ist empfindlicher als die Weiß-Weiß-Perimetrie, sie kann bereits sehr leichte Gesichtsfeldausfälle nachweisen. Die Untersuchung dauert allerdings wesentlich länger und erfordert ein gutes Konzentrationsvermögen.

Therapie

Die Behandlung des Glaukoms besteht in der Regel aus der Senkung des Augeninnendrucks. Es wird zunächst versucht, mit Augentropfen den Augeninnendruck zu senken. Alternativ kann auch erwogen werden, mit Hilfe eines milden Laserverfahrens (selektive Lasertrabekuloplastik) den Abfluss des Auges zu verbessern und somit den Augeninnendruck zu senken.

Sollte es nicht möglich sein, den Augeninnendruck mit Augentropfen ausreichend zu senken, ist eine Operation angezeigt.

Medikamentöse Augeninnendrucksenkung

Es gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Tropfen, um den Augeninnendruck zu senken. Prinzipiell kann dazu entweder der Abfluss verbessert oder die Kammerwasser-Produktion reduziert werden. In der Regel wird die Behandlung zunächst mit nur einem Augentropfenpräparat begonnen (ein Wirkstoff).

Sollte die Senkung des Augeninnendrucks mit diesem einen Präparat nicht ausreichen, können auch mehrere Wirkstoffe kombiniert werden. Unter einer maximalen medikamentösen Augentropfentherapie versteht man in der Regel die Gabe von zwei unterschiedlichen Augentropfenpräparaten mit insgesamt maximal drei Wirkstoffen.

Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT)

Bei der selektiven Lasertrabekuloplastik wird das Trabekelmaschenwerk mit einem Laserstrahl behandelt. Hierdurch kommt es innerhalb einiger Zeit zu Umbauvorgängen im Trabekelmaschenwerk. Dadurch nimmt die Porengröße im Gewebe zu und der Abfluss wird so verbessert. Die Selektive Lasertrabekuloplastik ist ein sehr mildes Verfahren.

Sie kann entweder am Beginn einer Glaukomtherapie anstelle von Tropfen eingesetzt werden oder auch zusätzlich zur Augentropfengabe, um den Augeninnendruck noch weiter abzusenken. Sollte der Effekt des Lasereingriffs im zeitlichen Verlauf nachlassen, kann die Behandlung  wiederholt werden. Dieses Verfahren führen wir im AugenCentrum Dresden durch.

Trabekulektomie (Filterkissenoperation)

Die Trabekulektomie ist das Standardverfahren zur operativen Behandlung des Glaukoms. Hierbei wird eine Art Überdruckventil in die Augapfelwand präpariert: ein wenige Millimeter großes Loch, das mit einem Deckelchen der Sklera (Lederhaut) gedeckt wird.

Bei erhöhtem Augeninnendruck fließt Kammerwasser aus dem Auge unter die Bindehaut ab, so dass sich hier ein sogenanntes Sickerkissen (= Filterkissen) bildet. Da das Sickerkissen durch das Oberlid bedeckt wird, ist es im Alltag kaum sichtbar.

Die Hauptkomplikation nach der Trabekulektomie ist, dass sich das neu angelegte Loch durch den natürlichen Wundheilungsprozeß wieder verschließt. Um dies zu verhindern, wird während der Operation der präparierte Bereich mit dem Medikament Mitomycin C (MMC) behandelt. Weiterhin ist eine intensive medikamentöse Nachsorge mit regelmäßigen Kontrollen notwendig, um die Filterkissenfunktion zu erhalten.

Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

Kanaloplastik

Bei der Kanaloplastik (auch Fadenoperation genannt) wird der natürliche Abfluss des Auges verbessert. Hierbei handelt es sich um ein Operationsverfahren, bei dem der Augapfel selber nicht eröffnet wird. Aus diesem Grund spricht man auch von einer nicht-penetrierenden Glaukomoperation. Während der Operation wird mit einem Mikrokatheter der Schlemm`sche Kanal mit einem Gel aufgedehnt und ein feiner Faden in den Kanal eingezogen und angespannt.

Dadurch wird das Trabekelmaschenwerk aufgedehnt und der Abfluss verbessert. Die Kanaloplastik ist ein Alternativverfahren zur Trabekulektomie mit einem günstigeren Risikoprofil. In der Regel können mit dieser Operation nicht ganz so niedrige Augeninnendruckwerte wie mit der Trabekulektomie allein erzielt werden. Deshalb kann die weitere Gabe von Augentropfen erforderlich sein. Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

iStent-Implantat

Bei der Implantation von iStents handelt es sich um ein Verfahren der sogenannten minimal-invasiven Glaukomchirurgie (MIGS). Das IStent-Implantat ist das kleinste im menschlichen Körper jemals eingesetzte Implantat. Das Microimplantat besteht aus Titan. In der Regel werden in einer Operation zwei Implantate im Kammerwinkel in das Trabekelmaschenwerk eingesetzt. Dabei überbrückt das Implantat den Abflusswiderstand im Trabekelmaschenwerk, so dass das Kammerwasser aus der Vorderkammer direkt in den Schlemm’schen Kanal abfließen kann. Die Implantation des iStents erfolgt in der Regel in Kombination mit einer Kataraktoperation (Bitte Link einfügen). Der iStent ist eine gute Lösung, wenn ohnehin eine Kataraktoperation geplant ist und der Augeninnendruck zusätzlich gesenkt werden soll. Er kann aber auch als alleinige Glaukomoperation durchgeführt werden. Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

XEN-Gel-Implantat

Bei der Implantation des XEN-Gel-Implantats handelt es sich um ein Verfahren der minimal-invasiven Glaukomchirurgie (MIGS). Das Implantat ist ein feines Röhrchen aus Gelatine und schafft ähnlich wie bei der Trabekulektomie eine Verbindung zwischen Vorderkammer und dem Raum unter der Bindehaut. So entsteht auch bei dieser Operation ein Sickerkissen (=Filterkissen). Um zu verhindern, dass die körpereigene Wundheilung das Röhrchen verschließt, wird während der Operation Mitomycin C (MMC) verwendet. Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

Drainageimplantate

Wenn keine ausreichende Drucksenkung mit Medikamenten oder der Trabekulektomie bzw. Kanaloplastik erzielbar ist, sollte ein Drainageimplantat eingesetzt werden. Bei dieser Operation wird ein winziges Silikonschläuchlein in die Vorderkammer eingeführt, über das die Flüssigkeit aus dem Auge abfließen kann. Am anderen Ende des Schläuchleins ist eine Platte angebracht, die auf die Augenwand aufgenäht wird.

Um diese Platte entsteht in den nächsten Wochen und Monaten nach der Operation eine bindegewebige Kapsel, die letztendlich das zu erreichende Druckniveau bestimmt. Diese Kapsel hat in der Regel nach zwei bis drei Monaten die größte Dicke erreicht, so dass eventuell vorübergehend wieder Augentropfen genommen werden müssen.

Im weiteren Verlauf kommt es in der Regel jedoch zu einer Ausdünnung dieser Kapsel, so dass der Augeninnendruck dann wieder absinkt. Es gibt Drainage-Implantate mit Ventil (Ahmed-Drainage-Implantat) und Drainage-Implantate ohne Ventil (Baerveld-Implantat). Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

Zyklophotokoagulation

Bei der Zyklophotokoagulation wird mit Hilfe eines Laserstrahles der Ziliarkörper (die Drüse, die die Flüssigkeit im Auge produziert) verödet. Durch die Reduktion der Menge an Drüsengewebe wird weniger Flüssigkeit produziert und der Augeninnendruck gesenkt. Die Zyklophotokoagulation ist deutlich verträglicher als die früher durchgeführte Zyklokryokoagulation (Vereisung des Ziliarkörpers).

Bei der Zyklophotokoagulation tritt der Effekt der Augeninnendrucksenkung in der Regel nicht sofort nach der Operation ein.  Es bedarf einiger Wochen bis sich in den Bereichen, in denen der Laser das Gewebe zerstört hat, eine entsprechende Narbe ausgebildet hat und es dann zur Senkung des Augeninnendrucks kommt. Da man mit dem Laser das Gewebe irreversibel zerstört, darf nie zu viel Gewebe behandelt werden.

Aus diesem Grunde kann es erforderlich sein, dass die Zyklophotokoagulation ggfs. im Abstand von drei Monaten wiederholt werden muss. Die Zyklophotokoagulation ist in der Regel der letzte Schritt in der operativen Behandlung des Glaukoms, wenn alle anderen operativen Verfahren keine ausreichende Drucksenkung gebracht haben. Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

YAG-Iridotomie

Bei einer Einengung des Kammerwinkels kann mit dem Laser ein winziges Loch in der Regenbogenhaut (Iris) angelegt werden. Dadurch kann die Flüssigkeit im Auge besser zirkulieren und abfließen.

Die YAG-Iridotomie wird vor allem bei einem Winkelblockglaukom angelegt. Aber auch bei den Offenwinkelglaukomen kann eine YAG-Iridotomie bei relativ eingeengtem Kammerwinkel zu einer Senkung des Augeninnendrucks beitragen. Sollte das Anlegen einer Iridotomie mit dem Laser nicht möglich sein, kann eine chirurgische Iridektomie erfolgen.

Chirurgische Iridektomie

Bei der chirurgischen Iridektomie wird in einer kleinen Operation ein Löchlein in die Regenbogenhaut geschnitten. Dadurch kann die Flüssigkeit im Auge besser zirkulieren und abfließen.

Meist erfolgt die chirurgische Iridektomie, wenn das Anlegen einer Iridotomie mit dem Laser nicht möglich ist.

Diese Operation führen wir in der Augenklinik im ELBLAND-Klinikum in Radebeul durch.

Kataraktoperation

Sollte der Kammerwinkel, in dem die Flüssigkeit aus dem Auge abfließt, eingeengt sein, kann es sinnvoll sein, die natürliche Linse durch eine Kunstlinse zu ersetzen. Da die Kunstlinsen deutlich dünner sind als die natürliche Linse, entsteht nach der Operation mehr Platz im Auge und der Kammerwinkel kann sich wieder weiter öffnen.

Dadurch kann eine Senkung des Augeninnendruckes erreicht werden. Die Kataraktoperation als Operation zur Senkung des Augeninnendruckes wird üblicherweise erwogen, wenn die Linse ohnehin getrübt und der Augeninnendruck nicht allzu sehr erhöht ist. Diese Operation führen wir im AugenCentrum Dresden durch.

Wenn Sie Fragen zum Glaukom oder dessen Behandlung haben, sprechen Sie uns an. Wir helfen Ihnen gern!